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Phantasie fürs Leben – Kulturenquete stärkt Jugendkunstschulen

Phantasie fürs Leben - Kulturenquete stärkt Jugendkunstschulen

Heute können die 400 Jugendkunstschulen bundesweit eine „beeindruckende Leistungsbilanz“ vorweisen (Gitta Connemann). Leider hat die Förderpolitik der Länder noch nicht das hohe Niveau der derzeit öffentlich geäußerten Wertschätzung erreicht. Der Enquetebericht fordert hier Abhilfe. Aus den handlungsorientierten Positionierungen des Enqueteberichts zu den Jugendkunstschulen lassen sich sieben Kernaussagen herausfiltern, die die Einrichtungs- und Verbandsperspektive in Bund, Ländern und Gemeinden leiten könnten.

1.    Jugendkunstschulen gehören zur Infrastruktur kultureller Bildung.
2.    Die Gewährleistung einer kulturellen Infrastruktur liegt im       
öffentlichen  Interesse.
3.    Bei einer noch defizitären Infrastruktur sollen Einrichtungen und  
Angebote wie beispielsweise Jugendkunstschulen auf- und ausgebaut  
werden.

Die Aussagen markieren den entscheidenden Schritt vom deskriptiven zum normativen Verständnis einer „Infrastruktur“ kultureller Bildung. Gleichzeitig vollziehen sie den (qualitativ unabdingbaren) Quantensprung vom kompensatorischen zum substanziellen Verständnis des kulturellen Bildungsangebots der Kinder- und Jugendkunstschulen. Jugendkunstschulen sind Kompetenzzentren für kulturelle Bildung in ihrer ganzen Vielfalt.

4.    Die Länder haben eine besondere Verantwortung in der Ausgestaltung 
der Infrastruktur von Musikschulen, Jugendkunstschulen und
Bibliotheken.


Für die Jugendarbeit ist diese besondere Verantwortung der Länder bundesgesetzlich im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt: „Die Länder haben auf einen gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen und Angebote hinzuwirken“ (§ 82,2 KJHG). Allerdings haben nur wenige Länder (wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen) diese Verantwortung für die Jugendkunstschulen auch förderrechtlich operationalisiert. Der bjke fordert eine Drittelfinanzierung der Jugendkunstschulen aus Landesmitteln und die angemessene Ausstattung und verantwortliche Einbindung der Landesfachverbände in die Struktur- und Feldentwicklung. Zahlreiche Landesverbände, etliche Jugendkunstschulen arbeiten rein ehrenamtlich. Dies verdient allergrößte Anerkennung, hat aber nichts professioneller Infrastruktur von Bildungseinrichtungen zu tun.

6.    Der demografische Wandel kann Verteilungskonflikte zwischen den
Generationen mit sich bringen, die nicht zu Lasten der Infrastruktur
kultureller Kinder- und Jugendbildung gehen dürfen.


7.    Die rasant zunehmende Kooperation zwischen außerschulischen
Partnern und Schulen (insbesondere Ganztagsschulen) bedarf
fördernder und unterstützender Rahmenbedingungen (Finanzen,
Recht, Organisationsstrukturen).

Die Beobachtung markiert einen weiteren neuralgischen Punkt: Aus Sicht des außerschulischen Partners hat Schule in aller Regel kein (oder zu wenig) Geld. Gleichzeitig werden die Ressourcen des Kooperationspartners Jugendkunstschule immer stärker gesucht. Hier ist struktursichernde Bildungspolitik gefordert, die die Pluralität von Bildungsformen und Lernorten absichert und nicht untergräbt.

Aus einem Beitrag von Peter Kamp,  Vorsitzender des Bundesverbands der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen (bjke) e.V., publiziert in "kulturpolitik" der Kulturpolitischen Gesellschaft