Kunstgrundschule Kaufbeuren

Eine Woche Buchwerkstatt in der 3. Klasse

Im Rahmen des Pilotprojekts Kunstgrundschule führte querKUNST unter der Leitung von Tatjana Nocker (Architektin und Gründerin der Kunstschule) und Ulrike Baier (Illustratorin und freie Mitarbeiterin) das erste von drei geplanten Kunstprojekten an der Adalbert-Stifter-Grundschule durch. In der querKUNST-Buchwerkstatt konnte jedeR SchülerIn seine eigene Geschichte zum Thema Wald entwickeln, Bilder in Linoldruck-technik gestalten, drucken und daraus ein individuelles Buch binden.

Für Viele der hochmotivierten SchülerInnen der Klasse 3c ist Deutsch nicht ihre Muttersprache – die Schwierigkeit, eine ganze Geschichte zu schreiben, haben sie kompensiert durch großes Engagement, viel Fantasie und unglaubliche Kreativität. Das querKUNST-Team wurde von der Klassenlehrerin, bzw. einer Betreuungskraft und einem Praktikanten der FOS Kaufbeuren unterstützt. Eine durchgehende Kontinuität der Hilfskraft bzw. betreuenden Lehrkraft ist von großem Vorteil. Als Rahmenthema war ‘Wald’ vorgegeben, welches die Kinder in den Wochen vor den Ferien ausgiebig im HSU-Unterricht behandelt hatten.

Nach einer Einführung in die Linolschnitt-Technik und ersten Testläufen, ging es los: mit dem ersten Bild erfanden die Kinder die Hauptpersonen ihrer Geschichten. Da gab es den Baum, der springen konnte, die Meerjungfrau, die ein Baby auf die Welt brachte, den Pilz, den Schmetterling auf der Suche nach Spielgefährten und viele andere fantastische Helden. Zu diesem ersten Bild, das geschnitten und gedruckt wurde, schrieben die Kinder dann die erste Textseite, also den Anfang ihrer jeweiligen Geschichte. Danach gestalteten sie das nächste Bild und schrieben anschließend wieder den nächsten Teil ihrer Geschichte. Sie entschieden selbst, wie viele Bilder und wie viel Text ihr Buch haben sollte und wie ihre Geschichte endete.

Linolschnitt- und….
…-druck

Dies war eine ungewohnte Vorgehensweise, sowohl für die Kinder als auch für die Lehrkräfte, da die Kinder in der Schule gewohnt sind, Geschichten in einem Zug durchzuschreiben. Auch war die Freiheit, die die Kinder bekamen, wirklich ihre eigene Geschichte zu finden für viele ungewohnt und neu. Mit jedem weiteren Tag fanden sich die Kinder mehr in die Technik und den Ablauf hinein und arbeiteten immer selbständiger. Leano, 8 Jahre alt, brachte es am Ende auf den Punkt: „Also, am Anfang war’s echt schwer und dann am Ende ging’s einfach!“

Fertig gedruckte Bilder
Jedes Kind sammlete seine Bilder

Am letzten Tag ging es dann ans Buchbinden. Die Kinder stellten ihre Buchseiten zusammen und steckten diese in die selbst gestalteten Buchdeckel- und Rückseiten. Anschließend banden und nähten sie mit Freude ihr Buch.

Vernähen des Buches
Eine schwierige Arbeit

Abschließend gab es eine große Präsentation im Klassenzimmer, bei der jedes Kind sein Buch vorstellte. Die Bilder unter der Dokumentenkamera an die Klassenzimmerwand projiziert, lasen sie voller Stolz ihre Geschichten vor. Und alle waren still und lauschten ihren KlassenkameradInnen – so still war es vorher nie! Auch der Schulleiter bemerkte: „Ich habe den Eindruck, die Kinder sind in einen richtigen kreativen Flow gekommen und waren ganz bei der Sache – ihrem Buch!“

Präsentation der fertigen Bücher

Die Geschichten waren oft sehr ergreifend und anrührend. Das zentrale Thema fast aller Bücher war das Suchen oder Finden eines Freundes oder einer Freundin. Das konnte der Schmetterling sein, der den Hasen zum Spielen fand, der Pilz, der andere Pilze traf oder der Baum, der sich mit einem Wolf anfreundete, nachdem dieser ihn aus dem Gefängnis befreit hatte. Auch persönliche Erlebnisse haben die Kinder in ihren Büchern aufgegriffen und bearbeitet. Genau da kann künstlerisches Arbeiten extrem hilfreich sein. Es hilft dabei, einen Ausdruck für das zu finden, was junge Menschen im Inneren bewegt.

Stolz über ihr fertiges Buch

Text: qerKUNST Kaufbeuren e.V.