Landesförderung: Teil 10

Kunst trotz Corona, die Welt der KÖNNKÖNNs und eine neue Druckerpresse

Der KUNSTbeTRIEB Cham ist eine legendäre Jugendkunstschule – dank seiner tonnenschweren Sammlung antiker Druckerpressen und Schriftsätze sowie beeindruckenden Großbauprojekten erregt er selbst auf Bundesebene Aufmerksamkeit.

Seit über zehn Jahren baut Andi Dünne, Leiter des KUNSTbeTRIEBs, seine Jugendkunstschule, buchdicke Jahresprogramme und ein weit gespanntes Netz aus Kooperationen mit viel Herzblut und Engagement auf. Deshalb ist er besonders froh, u. a. dank der Projektförderung seiner neuen Kollegin Julia Breu eine Perspektive im KUNSTbeTRIEB bieten zu können. Die Kontinuität und Professionalität der kulturellen Bildungsarbeit konnte damit ausgebaut werden.

Mit doppelter Kraft ist den beiden trotz des schwierigen Jahres 2020 Einiges gelungen: im Februar eröffnete die erste Außenstelle des KUNSTbeTRIEBs in Roding. Diese flächendeckende Idee setzt einen Impuls im Bereich der Entwicklung des ländlichen Raums. Kurz nach der Eröffnung mussten leider die Jugendkunstschulen in Cham und Roding auch gleich coronabedingt wieder schließen. Mit dem KUNSTbeTRIEB war aber kreatives Arbeiten dennoch weiterhin möglich: in Nachtschichten schnürten Julia und Andi KUNSTpakete. Damit konnten sie den Kontakt zu den Kursteilnehmenden aufrechterhalten, wichtige Materialimpulse setzen, die auf digitalem Weg oft nicht in gleicher Qualität möglich sind und die Altersgruppen sowie Fachrichtungen individuell betreuen und thematisch ansprechen.

Inspirationen aus einem KUNSTpaket
Aufwendig gefertigte Aufgaben animieren die SchülerInnen, selbst tätig zu werden.

Die Pakete mit wöchentlich neuen Materialien und Inspirationen ermöglichen den Kindern und Jugendlichen die klassischen Gestaltungstechniken wie Zeichnung, Druckgrafik und Collage ebenso wie die Arbeit mit digitalen Medien. Die Kinder, die zum Teil das Auspacken der Pakete mit ihren ganzen Familien zelebrierten, bleiben dank der Paketversorgung auch weiterhin dem KUNSTbeTRIEB als regelmäßige Teilnehmende erhalten.  Die Ergebnisse der ersten neun während des Lockdowns im vergangenen Frühling entstandenen Werke können in einer virtuellen Ausstellung bewundert werden – bei der nächsten Jahresausstellung werden die Werke  aus dem aktuellen Lockdown wieder analog zu sehen sein.

Zuletzt ist es dem KUNSTbeTRIEB sogar gelungen, die Resultate aus den KUNSTpaketen zu einer Parallelwelt der „KÖNNKÖNNs“ zusammenzuführen. Mit den KÖNNKÖNNs wird ein Versuch gestartet, gemeinsam über das Netz mit allen Altersgruppen und Fachrichtungen des KUNSTbeTRIEBs neben den traditionellen Techniken mit digitalen Medien zu experimentieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, Figuren zu schaffen, welche über mehrere Projekteinheiten zu einem gemeinsamen Netzwerk zusammenwachsen. Die wachsende Welt der KÖNNKÖNNs, ihre Tiere, Gebäude und sozialen Beziehungen sind hier zu finden.

Was wie ein Computerspiel aussieht, ist in Wirklichkeit die Verbindung analoger Kunst mit digitaler Technik

Zum Ende des Jahres 2020 wurde die historische Druckwerstatt des KUNSTbeTREIBs dann noch erweitert: die etwa 100 Jahre alte und vier Tonnen schwere Stoppzylinder-Schnellpresse fand verteilt auf 14 Paletten ihren Weg aus Gera nach Cham. In der Druckwerkstatt sind historische Druckmaschinen aber nicht etwa Museumsstücke, sondern dürfen von den Fachklassen auch genutzt werden.  Ein wichtiges Anliegen des KUNSTbeTRIEBs ist nämlich, den jungen TeilnehmerInnen zu vermitteln „dass haptisches Arbeiten einen hohen Wert hat und die Moderne ohne alte Techniken nicht möglich wäre“, so Andi Dünne.

30 Arbeitstage wurden bisher investiert, um die Druckerpresse aufzubauen, zu restaurieren und Kulturgut zu erhalten.

Mithilfe von zwei neuen DozentInnen konnten Angebote stabilisiert und im ländlichen Raum zugänglich gemacht werden. Die zwei jungen, neuen MitarbeiterInnen übernehmen neben den Kurstätigkeiten Öffentlichkeitsarbeit sowie Organisationsaufgaben im beTRIEB.