Landesförderung: Teil 11

Kunst in der Stadt und auf dem Land

Die Kulturwerkstatt Kalmreuth sowie der Kunstbau Weiden bereichern schon viele Jahre das Jugendkunstschulgeschehen in der Oberpfalz, in Bayern und durch die Grenznähe auch in Tschechien. Zahlreiche binationale Projekte fanden hier bereits statt. Durch die Fusionierung zur gGmbH im vergangenen Jahr kamen die beiden Einrichtungen auch in den Genuss der Projektförderung.

Der Weidener Stadtteil Stockerhut ist eine Wohngegend mit hohem Anteil von Familien mit Migrationshintergrund und einer heterogenen Bevölkerungsstruktur. Der Stadtteil profitiert also von einem lebendigen, kulturellen Miteinander der Nachbarschaften. Nur wenige Meter entfernt von der Wohnung, in unmittelbarer Nähe zur Grundschule: Mit dem neuen Stadtteilatelier im Cafe Mitte nutzte die Jugendkunstschule im Kunstbau Weiden die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die keinen wohnortnahen Zugang zu den Angeboten der im Altstadtzentrum gelegenen Kunstschule haben und bei der Wahrnehmung der Veranstaltungen weiterhin von der Organisation durch Eltern und Familie abhängig geblieben wären. „Unsere Tochter hat drei Angebote wahrgenommen […]. Durch das direkte Umfeld der Schule und der Wohnung ist dieses Angebot für alle gut erreichbar. Wir würden uns über weitere Angebote freuen“, schreibt die Mutter der achtjährigen Elsa. Das Stadtteilatelier stand schon lange auf der Agenda, aber ohne ausreichende Förderung fehlten der Einrichtung bislang die nötigen Mittel für zusätzliche DozentInnen, die das dezentrale Angebot hätten umsetzen können. Mit der Projektförderung ist es gelungen, zwei Dozentinnen zu beschäftigen, die nun im Café Mitte verschiedene bildnerisch-praktische Workshops durchgeführt haben. Die Jugendkunstschule möchte dort auch dauerhaft ein künstlerisch-kreatives Angebot etablieren und hat nun mit dem Pilotprojekt von Oktober bis Dezember fünf Termine mit unterschiedlichen Inhalten realisiert.

Die Teilnehmenden traten in die Fußstapfen von Banksy und sprayten Motive auf Taschen und Plakate.
Die Kinder aus dem Stadtteil sind ihrer dezentralen Kunstschule ab Dezember auch in die online-Ateliers gefolgt und konnten sich dazu im Café Mitte das Material in der Kunsttüte abholen.

Zwar fiel der Startermin ausgerechnet in die Zeit der neuen Corona-Schließungen, doch auch mit der begrenzten Teilnahmezahl und trotz der Abstandsregeln war das Angebot gleich von Anfang an ein toller Erfolg. Der 12-jährige Haris nahm am Graffitikurs teil und freute sich, in seiner Wohngegend ganz legal mit Spraydosen und den verschiedenen Styles experimentieren zu dürfen. Andere lernten beim Comickurs verschiedene Manga Zeichentechniken kennen.

Alle Workshops waren inhaltlich niedrigschwellig und zielgruppenorientiert gehalten und ermöglichten das kreative Miteinander von Kinder und jungen Menschen unterschiedlichen Alters.

Die neuen Tablets stoßen bei den Kindern und Jugendlichen sofort auf große Resonanz: „Einen eigenen Film zu machen ist einfach toll! Man lernt die Technik kennen und das Arbeiten mit Knete und Alltagsgegenständen hat sehr viel Spaß gemacht.“

Auch die im ländlichen Raum angesiedelte Kulturwerkstatt Kalmreuth konnte mit Hilfe der Projektförderung ihr Angebot erweitern. Im Handwerksbereich gab es hier mit Metall-, Holz-, Grafik- und Keramikwerkstätten zwar bereits viele Möglichkeiten – neue Medien aber waren bislang noch zu wenig präsent. Das änderte sich mit den Tablets, die dank der Landesmittel angekauft werden konnten. Im Trickfilm verbinden sich analoge und digitale Welt und schaffen neue Erlebnisräume für die Teilnehmenden. Einfache Apps erlauben bereits jüngeren Kindern das kreative Arbeiten mit neuen Medien. Jugendliche experimentieren mit Filmschnitt und Vertonung und den Möglichkeiten in sozialen Netzwerken.

Das Engagement im Stadtteil als auch die Ausstattung mit digitalen Geräten brachte der Jugendkunstschule auch neue Unterstützung: Ein Gesellschaftsclub überwies eine Spende und das örtliche Jugendforum nahm das Projekt in den lokalen Maßnahmenkatalog zum Bundesprogramm „Demokratie leben“ mit auf. „Dies zeigt, wie eine passgenaue Förderung den Stein ins Rollen bringt und zu einer positiven Entwicklung einer Kultureinrichtung und damit nachhaltig zu einer Sicherung von kultureller Bildung beiträgt“ freut sich Irene Fritz, Leiterin des Kunstbaus Weiden über die Entwicklungen.