Landesförderung: Teil 13

Eine Ausstellung, ein Klavier und Distanzangebote

In der Kinder- und Jugendkunstschule Palette Augsburg heißt Lernen „Wir sind da, wissen Bescheid – und: lassen den Kindern trotzdem ihre eigenen Erfahrungen, ihre Neugier, ihr Selbst-Entdecken. Unser Ziel ist es, Ressourcen und Stärken von Kindern aufzugreifen und deren Gestaltungskraft zu fördern“, so erläutert Katharina Steppe-Roth das Leitbild ihrer Einrichtung in Augsburg.

Die Palette gibt es bereits seit den späten 80er Jahren, sie wurde noch im Studium von ihren InitiatorInnen gegründet. In den mehr als drei Jahrzehnten entstanden dort Werkstätten, die in unterschiedliche Gestaltungstechniken einführen, Ganzjahreskurse und Stadtteilwerkstätten, Ferienangebote, kreative Kindergeburtstage und ein Spielgeräteverleih. Die Jugendkunstschule pflegt zahlreiche Kooperationen mit Schulen, im Ganztag, mit Kommune und Museum, der Stadtbibliothek, sowie mit sozialen Trägern, wie Einrichtungen für Geflüchtete.

Arbeiten zum Thema „Urwald“ in den Werkstätten

Wesentlich in der Arbeit der Palette ist immer die Bereitstellung interessanter Räume, die einen dritten Ort für Gemeinschaft, Interaktion und soziale Entwicklung bilden. „Doch genau dies“, so Katharina Steppe-Roth, „wurde während des letzten Jahres gekappt! Wir haben trotzdem so viel wie noch möglich realisiert und wurden dabei nicht zuletzt von der Programmförderung unterstützt“. Dass die Palette aus dem schwierigen Corona-Jahr das Beste gemacht hat, zeigt die Zusammenfassung der folgenden Projekte, die durch bayerische Landesförderung unterstützt wurden:

En face hieß eine Ausstellung im Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg. Der Maler und Plastiker Harry Meyer stellte eigene Werke unmittelbar in den Bezug zu den sakralen Ausstellungsstücken des Museums – als Gegenüber und als Erweiterung. Deshalb der Name „en face“. Die Kunstschule Palette klinkte sich mit einer Übergangsklasse der Jahrgänge sieben, acht und neun ein. Die meisten der SchülerInnen waren erst sehr kurz im Land und sprachen noch wenig deutsch. Sie gestalteten Köpfe aus Ton, brannten sie und durften sie schließlich tatsächlich auch in den Ausstellungskontext stellen. Sie befassten sich in dieser Zeit mit Aspekten der Begegnung, der Sprache der Gesichter und wie die Spuren der Gestaltungsweise zusätzlich Ausdruck erzeugen. All das war möglich – fast ohne Sprache.

Begegnung während der Arbeit

Fast jedes Jahr beteiligt sich Augsburg an dem weltweiten Projekt „play me I´m yours!“. Jede teilnehmende Stadt sucht sich einen Sponsor für die Klaviere und versammelt unterschiedliche AkteurInnen, die die Klaviere gestalten. Die Jugendkunstschule Palette setzte das Projekt den Kindern der regelmäßigen Mittwochswerkstatt in Oberhausen um, einem Stadtteil mit Brennpunkt-Charakter, in dem das Klavier im September 2020 drei Wochen lang stand. Gemäß der Projektidee „play me I´m dancing!“  wurden die Menschen aus Oberhauser aufgefordert „zu tanzen“. Aus den Fotos schnitten die Projektteilnehmenden schwarze Schattenrisse, die auf dem Klavier die Notenlinien sprengten. Eine wohltuende Kunst-Zeit zwischen den Lockdowns!

Mit zusätzlichen Fördermitteln aus dem Fonds Soziokultur wurde außerdem das Projekt „Wohin wollen wir wachsen?“ realisiert. An den Roten-Torwall-Anlagen in Augsburg waren Schulklassen und Augsburger Kinder eingeladen, ihre Wünsche für die Zukunft zu zeigen und Samen zu pflanzen – Tanz und Kunst gingen in diesem interdisziplinären Projekt eine Verbindung ein.

„Auf Abstand in Verbindung bleiben“ lautete das Motto von Workshops im Corona-Sommer.

Gerade für die Kinder der ganzjährigen Angebote wurde das Fehlen der regelmäßigen Treffen während der beiden Lockdowns spürbar. „Auch für mich als Dozentin entstand eine emotionale Lücke, das Fehlen bekannter Gesichter“, so Katharina Steppe-Roth. Kunst-Pakete bauten die Brücke. Weil viele Kinder keine digitalen End-Geräte haben, war online-Kunst keine Option. Zudem bleibt es auch und vor allem in diesen digitalen Zeiten wichtig, anzufassen und selbst zu tun. Also packt und schickt die Palette immer noch regelmäßig Pakete. Plötzlich klingelt der Postmann an den Türen in den Stadtteilen und hat Post für die Jüngsten in der Familie. Im Sommer waren zumindest kurze analoge Werkstatt-Phasen möglich.

Ergebnis aus dem „Kunst-Paket“