LJKE-Stellungnahme

Junge Menschen brauchen kulturelle Freiräume

Die 9. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung untersagt ab dem 1. Dezember außerschulische Bildungsangebote in Bayern, wozu auch die Kurse und Projekte von Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen zählen. Damit bricht ein wichtiger Begegnungsraum für Kinder und Jugendliche weg, die gerade in Pandemiezeiten Sicherheit und Halt suchen.

In den vergangenen sechs Monaten nach dem ersten Lockdown im Frühling haben sich Jugendkunstschulen und Kulturpädagogische Einrichtungen mit großer Umsicht auf ihre gewachsenen Aufgaben eingestellt: Hygieneschutzpläne wurden konzipiert, Umbauten vorgenommen und Angebote umstrukturiert, um die nötigen Abstände einzuhalten. War es im November-Lockdown noch ein Lichtblick, dass der außerschulische Bildungsbereich geöffnet blieb, stellt die erneute, sehr kurzfristig angeordnete Schließung für alle Betroffenen einen starken Einschnitt dar.

Insbesondere belasten die Einschränkungen Kinder und Jugendliche, deren Sorgen und Bedürfnisse in der aktuellen Krisensituation bisher zu wenig wahrgenommen und berücksichtigt werden. Während Bildung und Betreuung in Schulen und Kitas weiter gewährleistet sind, fehlen geschützte Räume zur freien Entfaltung und zum kreativen Ausdruck, wie sie Jugendkunstschulen bieten. Um mit der aktuellen Unsicherheit umzugehen und der Krise angstfrei zu begegnen, sind jedoch gerade jetzt kulturelle Bildungsangebote essentiell, weil sie durch aktive Auseinandersetzung mit dem Erlebten die Resilienz junger Menschen zu stärken vermögen. Mit Nachdruck arbeiten deshalb Jugendkunstschulen und Kulturpädagogische Einrichtungen daran, erneut alternative Angebote aufzulegen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, auch wenn zuletzt sichtbar wurde, dass bei der Konzentration auf digitale Formate viele Kinder und Jugendliche abgehängt werden.

Der LJKE als Dachverband von rund 50 bayerischen Einrichtungen schließt sich daher den Forderungen zahlreicher Partnerverbände wie der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern, dem Bayerischen Jugendring, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung oder dem Rat für Kulturelle Bildung an. Der Appell an die politischen EntscheidungsträgerInnen lautet, die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Blick zu behalten und kontinuierlich zu überprüfen, wo Freiräume für eine möglichst umfassende kulturelle Teilhabe geschaffen bzw. wieder eröffnet werden können.

Kulturelle Bildung ist Allgemeinbildung und gleichwertiges Bildungsziel (Beschluss des Bayerischen Landtags vom 6. Juni 2008), weil sie Menschen dazu befähigt, aktiv Kultur und Gesellschaft zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Der Sektor der außerschulischen Kulturellen Bildung, deren freiberufliche AkteurInnen von den ökonomischen Auswirkungen der Pandemie besonders hart getroffen werden, muss krisenfest gemacht werden. Auf dem Spiel steht, dass über Jahrzehnte aufgebaute Strukturen Schaden nehmen, sich die Erfahrungswelten von Kindern und Jugendlichen ausschließlich auf formale Bildungskontexte und das häusliche Umfeld reduzieren und viele junge Menschen insbesondere aus wenig begünstigten Milieus dadurch noch stärker benachteiligt und allein gelassen werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Krise auch als Chance genutzt werden kann, um in Zusammenarbeit von Jugend-, Bildungs- und Kulturpolitik außerschulische kulturelle Bildungsorte zu stärken und Kooperationen – auch im Sinne einer Entlastung von Schule – zu verankern und weiter auszubauen.