Rückblick divers_us

Theoretische Auseinandersetzung und praktische Interaktion in der Workshopreihe

Gerade verbringen wir alle überdurchschnittlich viel Zeit vor Bildschirmen, da sowohl Besprechungen als auch Fortbildungen in den digitalen Raum verlegt werden. Ob eine mehrteilige digitale Workshopreihe zum Thema Diversität da überhaupt Anklang findet? Die Antwort lautet: ja! Sowohl die rund 50 Teilnehmenden als auch die acht Referierenden der aufeinander aufbauenden Formaten im Rahmen der Fortbildungsreihe Wurzelbehandlung waren begeistert, wie viel Interaktion, Austausch aber auch Raum für Emotionen im Digitalen möglich sind.

Neben theoretischen Betrachtungen des Themas Diversität in der kulturellen Bildungsarbeit, ging es beim praktischen Workshop über Collagen und Assemblagen mit der Trägerin des Bayerischen Kulturpreises 2020, Carolina Camilla Kreusch, um die Faszination von Vielfalt und Brüchen in der Kunst.

Durch die rege Teilnahme und den intensiven Austausch aller Beteiligten wurde noch einmal deutlicher, wie zentral das Thema Diversität für die alltägliche inhaltliche aber auch strukturell-institutionelle Arbeit in der kulturpädagogischen Praxis ist. Diversität in Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen bedeutet vor allem, die Vielfalt unserer Gesellschaft in Bezug auf kulturelle und ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Gender, Religionszugehörigkeit, sozialen Stand und Behinderung anzuerkennen und programmatisch und strukturell umzusetzen. Die Workshopreihe „divers_us“ griff dieses Potenzial auf, bearbeitete aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema Diversität und sensibilisierte für eine diskriminierungskritische Perspektiven in der kunst- und kulturpädagogischen Praxis. Diese differenzierten Blickwinkel einzunehmen, ermöglichten acht Referierende aus den Bereichen intersektionale Pädagogik, Kulturelle Bildung, politische Bildung, Kunst, Kulturinstitution und Kulturgeschichte.

In der vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus geförderten Reihe nahmen über 50 Personen an Workshops von Naim Balıkavlayan und Miray Demir („Was bedeutet Diversität?“), Anja Schütze („Diversität und Zielgruppe/Personal“), Christoph Rössler („Diversität in der kulturellen Bildung“), Carolina Camilla Kreusch („Collage/Assemblage und Diversität) und Daniel Neugebauer, Sanni Est und Mohammad A. S. Sarhangi („Kunst aus aller Welt“) teil. Ein herzlicher Dank geht an alle Workshopleitenden für die anregenden Impulse, tiefgreifenden Reflexionsebenen und neuen Blickwinkel.

Carolina Kreusch, Severin Vogl und Wiebke Zetzsche bei dem Live-Stream

Ein besonderes Highlight war der eineinhalbtägige künstlerische-digitale Workshop mit der Künstlerin Carolina Camilla Kreusch. Bei diesem Termin wagten wir eine interaktivere Variante des digitalen Miteinanders: so bauten wir in den Räumen der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt in der Pasinger Fabrik ein kleines Filmstudio auf, um die filmerische Begleitung des Workshops durch den Filmemacher Severin Vogl zu ermöglichen. Die Teilnehmenden konnten so an ihren heimischen Bildschirmen selbst künstlerisch aktiv werden und gleichzeitig war ein Austausch aller möglich. „Wir erstellen eine Collage von der Collage von der Collage“ – fasst die Referentin Carolina Kreusch zusammen. Die Teilnehmenden erstellten zuerst eine Textcollage, aus der anschließend eine bildliche Collage entstand, welche danach in einen collagenartigen Stop-Motion-Film übertragen wurde, um schlussendlich in den dreidimensionalen Raum der Assemblage gesetzt zu werden und noch einmal gefilmt wurde. Dieser Raumwechsel war bei den individuellen experimentellen Schaffungsprozessen genauso wichtig, wie der ästhetische Perspektivwechsel auf das Thema Diversität.

Carolina Kreusch, Severin Vogl und Wiebke Zetzsche bei dem Live-Stream

Uns hat diese Workshopreihe gezeigt, wie wichtiges es ist, niederschwelligen Raum für theoretische sowie künstlerische Impulse und Austausch im kulturpädagogischen Alltag zu ermöglichen.

Lagerhausgenosse von Dorli Pfeiffer